25. 01. 2026 14 min

Löwenzahn von A bis Z: Blätter, Wurzeln, Blüten, Rezepte

Löwenzahn ist ein „Unkraut“, das sich wie ein vollwertiges Lebensmittel verhält: Im Frühjahr liefert er zarte Blätter, in der Saison Blüten für Sirup oder zum Ausbacken und im Herbst eine Wurzel, aus der du Tee oder „Kaffee“ machen kannst. In diesem Artikel bekommst du einen praktischen Leitfaden zum Erkennen, Sammeln, zur Sicherheit (inklusive Verwechslungen) und meine Lieblingsrezepte — so, dass es auch Einsteiger:innen gut schaffen.

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Was Sie im Artikel erfahren

  • Warum Löwenzahn kein Notnagel ist, sondern eine echte Grundzutat
  • Löwenzahn erkennen und wie er sich von Verwechslungen unterscheidet
  • Wann Blätter, Blüten und Wurzeln sammeln
  • Löwenzahnblätter: Frühlingsgrün mit einer Prise Bitterkeit
  • Löwenzahnblüten: Sirup, „Honig“ und knusprig ausgebacken
  • Löwenzahnwurzel: Tee, Abkochung und „Kaffee“ für zu Hause
  • 6 Rezepte, die ich immer wieder mache
  • Sicherheit, Verwechslungen und für wen Löwenzahn nicht ideal ist
  • Kurzzusammenfassung für den Kühlschrank

Warum Löwenzahn kein Notnagel ist, sondern eine echte Grundzutat

Wenn du ihn klug sammelst, hast du in einer Pflanze Salat, „Honig“, Tee und sogar Würze.

Der Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist für mich eine der praktischsten Pflanzen draußen. Nichts Exotisches: Er wächst am Wegrand, auf Wiesen, in Obstgärten. Genau deshalb sind klare Sammelregeln wichtig (Ort, Sauberkeit, Verwechslungen) — und dann kannst du ihn langfristig in der Küche und in deiner Hauskräuterkammer nutzen.

Was du in diesem Artikel findest

Wie du Löwenzahn stressfrei erkennst, wann du Blätter/Blüten/Wurzel sammelst, wie du alles verarbeitest, 6 bewährte Rezepte, Sicherheit und die häufigsten Verwechslungen.

Löwenzahn erkennen und wie er sich von Verwechslungen unterscheidet

Am wichtigsten sind Blüte und Stängel — und dass Löwenzahn immer genau eine Blüte auf einem hohlen Stiel hat.

Löwenzahn bildet eine grundständige Rosette aus gezahnten Blättern. Aus der Rosette wachsen hohle, blattlose Stiele, auf denen immer nur ein Blütenkorb (eine „Blüte“) sitzt — keine verzweigte Rispe. Bei Verletzung tritt weißer Milchsaft aus.

  • Blätter: in einer Rosette am Boden, oft tief gelappt (Form variiert je nach Standort).
  • Stiel: hohl, ohne Blätter, eine Blüte pro Stiel.
  • Blüte: gelber Korb, nach dem Verblühen eine kugelige Pusteblume.
  • Milchsaft: nach dem Abbrechen weißer Saft (kann bei Empfindlichen die Haut reizen).

Achtung Verwechslung: Habichtskräuter, Ferkelkraut, Milchkraut-Arten

Viele gelb blühende Korbblütler werden durcheinandergebracht. Die praktische Merkhilfe: Löwenzahn = eine Blüte auf einem hohlen, unverzweigten Stiel. Wenn mehrere Blüten an einem verzweigten Stängel sitzen, ist es kein Löwenzahn. Wenn du dir nicht sicher bist: lieber nicht sammeln.

Wann Blätter, Blüten und Wurzeln sammeln

Löwenzahn verändert sich über die Zeit — und damit auch Geschmack und Verwendung.

Blätter (März–Mai)

Am zartesten sind sie vor der Blüte. Später werden sie bitterer (das kann für Tinkturen ein Plus sein, für Salat eher ein Minus).

Blüten (April–Juni)

Ich sammle bei trockenem Wetter, wenn die Körbchen ganz geöffnet sind. Für Sirup nehme ich lieber frisch aufgeblühte Blüten.

Wurzel (September–November)

Im Herbst ist die Wurzel am kräftigsten. Ich steche sie nach Regen aus weichem Boden aus und reinige sie immer sehr gründlich.

Geschmackstrick

Du willst Blätter auch später noch für Salat? Suche junge Rosetten im Schatten oder auf gemähten Flächen — die sind oft milder.

Löwenzahnblätter: Frühlingsgrün mit einer Prise Bitterkeit

Bitterkeit hat eine Funktion — und in der Küche bekommen wir sie gut in den Griff.

Löwenzahnblätter sind super in Frühlingssalaten, Aufstrichen und Pesto. Die bitteren Stoffe (die viele abschrecken) lassen sich abmildern: durch die Kombination mit Fett, Säure (Zitrone/Essig) und etwas Süßlichem (Apfel, Karotte).

Salat „3 + 1“

Löwenzahn + etwas Mildes (Feldsalat/Spinat) + etwas Knackiges (Radieschen/Gurke) + ein gutes Dressing (Öl + Zitrone + eine Prise Salz).

Kurzes Blanchieren

Wenn die Blätter zu bitter sind, übergieße ich sie 10–15 Sekunden mit heißem Wasser und schrecke sie sofort ab. Ein Teil der Bitterkeit verschwindet, die Farbe bleibt.

Löwenzahnblüten: Sirup, „Honig“ und knusprig ausgebacken

Bei den Blüten geht’s vor allem um Aroma — und um einen sauberen Sammelplatz.

Blüten sammle ich nur dort, wo ich ohne schlechtes Gewissen eine Decke ausbreiten würde: Wiese fern von Straßen, unbehandelter Obstgarten, sauberer Garten. Ich verarbeite die Blüten gern schnell — frisch ist das Aroma am besten.

Der häufigste Fehler

Sammle keine Blüten von städtischen Hundestrecken, Straßenrändern oder Flächen nach Spritzmitteln. Löwenzahn ist ein „Sammler“ — und du willst nicht essen, was er dort eingesammelt hat.

Löwenzahn-„Honig“ (eingekochter Auszug)

Blüten kurz aufkochen, ziehen lassen, abseihen und mit Zucker/Zitrone langsam sirupartig einkochen. Super im Tee oder auf Pfannkuchen.

Blüten im Teig ausbacken

Die ganzen Blütenköpfe in einem leichten Teig (Mehl + Sprudelwasser + Salz) wenden und kurz ausbacken. Sofort essen — knusprig, duftend.

Löwenzahnwurzel: Tee, Abkochung und „Kaffee“ für zu Hause

Die Wurzel macht am meisten Arbeit — aber sie lohnt sich.

Die Wurzel sammle ich im Herbst. Wichtig sind gründliches Reinigen (eine Bürste ist Gold wert) und schonendes Trocknen. Aus der Wurzel mache ich entweder eine Abkochung (klassisch) oder eine geröstete Variante, die wie ein mild nussiger „Kaffeeersatz“ schmeckt.

  1. Reinigen: abspülen, abbürsten, längs halbieren.
  2. Trocknen: in dünner Schicht, luftig, nicht überhitzen.
  3. Abkochung: 1 TL getrocknete Wurzel pro Tasse, 10–15 Min sanft kochen, dann 5 Min ziehen lassen.
  4. Rösten: gut getrocknete Wurzel braun rösten (nicht schwarz), mahlen, wie Kaffee aufgießen.

Konsistenz und Geschmack

Durch Rösten bekommst du vor allem Geschmack, durch die Abkochung eher „Substanz“. Für mich sind das zwei verschiedene Zutaten für zwei verschiedene Stimmungen.

6 Rezepte, die ich immer wieder mache

Einfache Schritte, die auch in einer normalen Woche funktionieren.

1) Frühlingssalat mit Löwenzahn und Apfel

Junge Blätter + Apfel + Nüsse + Käse (oder Tofu) + Dressing aus Olivenöl und Zitrone.

2) Pesto „Wiesenwald“

Löwenzahn (ein Teil) + Brennnessel/Bärlauch (ein Teil) + Kerne + Öl + Salz. Perfekt zu Pasta.

3) Löwenzahn-„Honig“

Aus Blüten, Zitrone und Zucker. Wie Sirup verwenden: in Tee, auf Porridge, in Dressings.

4) Ausgebackene Blüten

Schnell, heiß, ohne viel Tamtam. Mit Salz und Zitrone servieren.

5) Bitteres Frühlingsdressing

Gehackte Blätter + Apfelessig + Honig + Salz. 20 Min stehen lassen, erst dann Öl dazu.

6) Wurzel-Abkochung / „Kaffeeersatz“

Abkochung als Abendtee, geröstete Wurzel als wärmendes Getränk im Winter.

Weniger ist mehr

Bei Löwenzahn reichen oft 10–30 % in einer Mischung. Wenn du 100 % nimmst, kann er geschmacklich alles überrollen.

Sicherheit, Verwechslungen und für wen Löwenzahn nicht ideal ist

Das größte Risiko sind schlechte Sammelplätze und „gelbe“ Verwechslungen.

Sammelplatz

Meide Straßen, Hundestrecken, Spritzmittel, Industrie-Ränder. Sammle dort, wo Boden und Gras offensichtlich in Ordnung sind.

Verwechslungen

Wenn die Pflanze einen verzweigten Stängel mit mehreren Blüten hat, ist es kein Löwenzahn. Unklar = nicht sammeln.

Empfindlichkeit & Gegenanzeigen (praktisch)

Vorsicht bei Allergie gegen Korbblütler, Empfindlichkeit auf Milchsaft und wenn du Probleme mit Gallenblase/Gallenwegen hast oder starke entwässernde Regime fährst. In Schwangerschaft/Stillzeit bei Küchenmengen bleiben.

Die 100%-Regel

Iss und verarbeite nur, was du zu 100 % sicher erkennst. Bei Wildpflanzen ist das der schnellste Weg zu Sicherheit.

"Löwenzahn hat mich gelehrt: Gutes Kräuterwissen beginnt beim Sammelplatz. Nicht beim Rezept."

— Notizen aus dem Gelände

Kurzzusammenfassung für den Kühlschrank

Drei Pflanzenteile, drei Rollen, ein paar Regeln.

  • Blätter: am besten vor der Blüte; für Salat/Pesto; Bitterkeit mit Öl + Zitrone abmildern.
  • Blüten: nur an sauberen Orten sammeln; Sirup/„Honig“/ausbacken.
  • Wurzel: ideal im Herbst; Abkochung oder Rösten als „Kaffee“.
  • Sicherheit: 100% sichere Bestimmung; nicht an Straßen/Hundestrecken/nach Spritzmitteln sammeln.

Artikelzusammenfassung

  • 1
    Löwenzahn ist eine vollwertige essbare Wildpflanze: Blätter im Frühjahr, Blüten für Sirup und zum Ausbacken, die Wurzel für Abkochung oder geröstet.
  • 2
    Du erkennst ihn an der bodennahen Rosette und einer einzigen Blüte auf einem hohlen, unverzweigten Stiel.
  • 3
    Sammle nur an sauberen Orten und achte auf „gelbe“ Verwechslungen.
  • 4
    Die Blätter sind vor der Blüte am mildesten; die Wurzel lohnt sich besonders im Herbst.
  • 5
    Halte dich an die 100%-Sicherheitsregel – bei Wildpflanzen ist das die Basis.

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