Urtica Dioica
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Große Brennnessel

Urtica dioica

Mehrjährige krautige Pflanze mit hohem Mineralstoff- und Chlorophyllgehalt.

Wichtige Erkennungsmerkmale

1

Gegenständige, grob gesägte Blätter mit zahlreichen Brennhaaren.

2

Aufrechter, vierkantiger Stängel mit vielen Brennhaaren.

3

Kräftige, kriechende Rhizome, die dichte Bestände bilden.

4

Sehr häufige Ruderalpflanze auf stickstoffreichen Standorten.

5

Mineralstoffreiche Wildpflanze, traditionell zur Unterstützung von Blut und Stoffwechsel genutzt.

Wie Sie die Pflanze erkennen

Urtica Dioica - Leaf

Blätter

Die Blätter der Großen Brennnessel sind gegenständig angeordnet, eiförmig bis lanzettlich und grob gesägt. Sie werden 3–15 cm lang, sind auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite heller. Die Blattoberfläche ist dicht mit Brennhaaren besetzt, die bei Berührung reizende Stoffe freisetzen. Die Blattnerven sind deutlich ausgeprägt und enden in den Zähnen des Blattrandes.

Urtica Dioica - Stem

Stängel

Der Stängel der Großen Brennnessel ist aufrecht, meist wenig verzweigt und im Querschnitt deutlich vierkantig. Er erreicht in der Regel 30–150 cm Höhe. Die Oberfläche ist rau und dicht mit Brennhaaren und kurzen Borsten behaart. Die Färbung ist überwiegend grün, bei älteren Pflanzen teilweise rötlich und an der Basis etwas verholzt.

Wurzel

Die Große Brennnessel besitzt ein starkes, kriechendes Rhizomsystem. Die gelblich bis bräunlichen Rhizome verzweigen sich reichlich und ermöglichen der Pflanze, dichte, zusammenhängende Bestände zu bilden. Aus den Rhizomen treiben zahlreiche aufrechte Stängel und feine Seitenwurzeln aus, die in den Boden eindringen.

Standort

Die Große Brennnessel besiedelt Wegränder, Gräben, Zäune, Schuttplätze, Hofnähe sowie Waldränder und Gärten. Sie bevorzugt frische bis feuchte, tiefgründige und stickstoffreiche Böden. Häufig tritt sie als Zeigerpflanze für hohe Nährstoffgehalte und starke menschliche Beeinflussung der Standorte auf.

Nährstoffe und Wirkung

Die Große Brennnessel ist eine sehr nährstoffreiche Wildpflanze. Sie enthält zahlreiche Mineralstoffe (unter anderem Eisen, Kalzium, Silizium und Kalium), Vitamine und viel Chlorophyll. In der Volksheilkunde wurde sie traditionell zur Unterstützung der Blutbildung, des Stoffwechsels und im Rahmen von Frühjahrskuren verwendet. Junge Blätter werden als nährstoffreiches Gemüse in Suppen, Füllungen oder als Pesto genutzt.

Verwendung

Brennnesselsuppe und „Wildspinat“

Junge Triebspitzen der Brennnessel können ähnlich wie Spinat verwendet werden. Sie eignen sich für Frühlingssuppen, Gemüsepfannen und als grünes Beilagengemüse. Vor dem Verzehr sollten die Blätter kurz blanchiert oder gedünstet werden, damit die Brennhaare ihre Wirkung verlieren.

März–Mai (jüngste Triebe), wiederholte Schnitte bis zum Blühbeginn möglich

Brennnessel-Pesto und Füllungen

Fein gehackte junge Brennnesselblätter lassen sich mit Öl, Knoblauch und Nüssen oder Kernen zu einem aromatischen Pesto verarbeiten, das gut zu Pasta oder Brot passt. Sie eignen sich außerdem als grüne Komponente in Quiches, Aufläufen und herzhaften Teigen.

März–Juni (junge Blätter vor der Vollblüte)

Getrocknete Brennnessel für Tees und Mischungen

Brennnesselblätter werden traditionell getrocknet und als Basis oder Bestandteil von Kräutertees verwendet. Sie verleihen dem Aufguss eine grüne, krautige Note und liefern zusätzliche Mineralstoffe. Getrocknete Blätter können auch in Smoothies oder als grüne Würze in der Küche eingesetzt werden.

Ganzjährig verwendbar (getrocknete Blätter, Ernte frisch im Frühling und Sommer)

Wirkung der Pflanze

Entzündungshemmende Wirkung

Hilft, Entzündungen im Körper zu reduzieren und ist geeignet bei Muskel- und Gelenkschmerzen.

Unterstützung der Verdauung

Fördert die Funktion des Verdauungssystems und hilft bei Blähungen und Appetitlosigkeit.

Entgiftung des Körpers

Unterstützt die Ausscheidung von Schadstoffen, entlastet Leber und Nieren.

Unterstützung der Harnwege

Hilft bei Entzündungen der Blase und der Nieren.

Antioxidative Wirkung

Schützt die Zellen vor freien Radikalen und kann Alterungsprozesse verlangsamen.

Gesundheit der Haut

Fördert die Heilung von Wunden, Ekzemen und anderen Hautproblemen.

Schmerzlinderung

Kann Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen lindern.

Unterstützung des Stoffwechsels

Unterstützt den Fettstoffwechsel und den allgemeinen Energiehaushalt.

Männergesundheit

Fördert Vitalität, Potenz und die Gesundheit der Prostata.

Unterstützung der Leber

Fördert die Regeneration der Leber und ihre Entgiftungsfunktion.

Regulierung des Blutzuckers

Hilft, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren und den Glukosestoffwechsel zu unterstützen.

Wichtiger Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bevor Sie Pflanzen zu therapeutischen Zwecken anwenden, sprechen Sie immer mit einer Ärztin/einem Arzt oder einer qualifizierten Fachperson für Phytotherapie.

Einige Pflanzen können allergische Reaktionen auslösen oder mit Medikamenten wechselwirken. Gehen Sie vorsichtig vor und wenden Sie sich im Zweifel an medizinisches Fachpersonal.

Vorkommen und Lebensraum

Waldränder und Feldgehölze Wiesen und Grasflächen Gebüschsäume und Hecken Ufer von Flüssen und Bächen Brachflächen und verwilderte Standorte Wegränder und Feldränder Gärten und Höfe Parks und städtisches Grün

Wächst auf stickstoffreichen Böden, an Wegrändern, in Gräben und halbschattigen Bereichen. Bevorzugt feuchte Standorte.

Urtica Dioica - Habitat

Erntezeit

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez

Tipps zur Ernte

  • Junge Triebspitzen im Frühjahr ernten.
  • Handschuhe tragen.
  • Nicht an stark befahrenen Straßen sammeln.
  • Im Schatten trocknen.
  • Wurzel im Herbst oder zeitigen Frühjahr sammeln.

Warnhinweise und sichere Anwendung

Allgemeine Empfehlungen

Informationen zu heilkundlichen Wirkungen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bevor Sie Pflanzen zu therapeutischen Zwecken verwenden, konsultieren Sie immer eine Ärztin/einen Arzt oder eine qualifizierte Fachperson. Wenn Sie sich bei der Bestimmung der Pflanze nicht sicher sind, sammeln oder verwenden Sie sie nicht!

Spannende Fakten und Geschichte

Textilien aus Brennnesselfaser

Die Große Brennnessel diente früher nicht nur als Heil- oder Wildgemüse, sondern auch als Faserpflanze. Aus ihren Fasern stellte man Seile, Säcke und grobe Stoffe her, die in Kriegszeiten zum Teil Baumwolle ersetzten. Heute erlebt Brennnesselfaser als nachhaltiges Naturmaterial ein Comeback.

Brennnesseljauche im Gemüsegarten

Aus Brennnesseln lässt sich eine stark riechende, aber sehr wirksame Brennnesseljauche herstellen. Dieser vergorene Pflanzenauszug ist reich an Stickstoff und Spurenelementen und wird im naturnahen Gartenbau als natürliches Düngemittel und Pflanzenstärkungsmittel eingesetzt.

Kinderstube für Schmetterlinge

Die Große Brennnessel ist eine wichtige Futterpflanze für die Raupen verschiedener Tagfalter, etwa des Tagpfauenauges oder des Kleinen Fuchses. Wer in Garten oder Landschaft Brennnesseln zulässt, schafft damit Lebensraum für zahlreiche Insekten und die Vögel, die sie fressen.

Frühlingsgemüse der einfachen Leute

Junge Brennnesseltriebe galten in vielen Regionen als wichtiges Frühlingsgemüse, vor allem in Zeiten des Mangels. Sie wurden wie Spinat in Suppen, Aufläufen oder Füllungen verwendet. Heute entdeckt man sie wieder als regionales, nährstoffreiches Wildgemüse.

Brennhaare als Schutzrüstung

Die Brennhaare der Brennnessel funktionieren wie winzige Glasnadeln, die mit reizenden Stoffen gefüllt sind. Bei Berührung bricht die Spitze ab und der Inhalt wird in die Haut injiziert, was das typische Brennen und die Rötung auslöst. So schützt sich die Pflanze vor Fraßfeinden.

„Das Wissen über Wildkompass verbindet die traditionelle Erfahrung früherer Generationen mit moderner wissenschaftlicher Erkenntnis.“

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